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Wesentliche Aktualisierung des Green-IT-Reifegradmodells

Exklusiv. Das seit 2011 weitverbreitete Reifegradmodell des Kollektivs GreenIT.fr zur Umsetzung von Strategien für eine verantwortungsvolle Digitalisierung präsentiert sich in einer überarbeiteten Version. Es integriert neue Best Practices rund um das Netzwerk, eine vollständige Überarbeitung der KPIs zu jeder Best Practice sowie 74 Konformitätsschwellen und Testregeln zur Umsetzung.

Lausanne, 2. Juni 2022. Die dritte Auflage des Green-IT-Referenzrahmens, gesteuert und realisiert durch Resilio für das Kollektiv GreenIT.fr und den Club Green IT, bietet einen «State of the Art»-Rahmen, um die Green-IT- bzw. Responsible-Digital-Politik von Organisationen umzusetzen, zu steuern und zu bewerten.

Eine Aktualisierung von und für Unternehmen

«Die vorherige Auflage stammte aus dem Dezember 2017. Es war daher wichtig, sie zu aktualisieren, um die Entwicklungen der letzten vier Jahre in so unterschiedlichen Bereichen wie Netzwerken, Rechenzentren, Umweltlabeln, verantwortungsvoller IT-Beschaffung, Druckwesen usw. abzubilden», erklärt Anne Rabot, die den Club Green IT leitet, aus dem dieses Modell hervorgegangen ist.
Als Ergebnis eines Konsenses zwischen öffentlichen und privaten Organisationen, die im Club Green IT zusammenkommen, leitet dieses seit über zehn Jahren genutzte Modell Organisationen bei der Umsetzung und kontinuierlichen Verbesserung ihrer Green-IT-Strategie an. Es stützt sich auf konkrete Erfahrungsberichte seiner Mitglieder.

Konformitätsschwellen für Vergleichbarkeit

Nach neun Monaten Arbeit und der Mobilisierung von mehreren Dutzend Organisationen wie der Banque de France, Bolloré Logistics, der Groupe BEL, der Groupe ESG, L’Occitane en Provence und der Stadt Nanterre integriert diese wesentliche Aktualisierung folgende Neuerungen:

  • Neue Best Practices rund um das Netzwerk, dessen Anteil an den Umweltauswirkungen in Unternehmen zunimmt (Benchmark Green IT 2021);
  • Eine Aktualisierung obsolet gewordener Best Practices;
  • Eine Überarbeitung und Integration eines Schlüsselindikators (KPI) für jede Best Practice, um messbare Ziele festzulegen;
  • Die Hinzufügung einer Konformitätsschwelle und einer Testregel zur Umsetzung für jede der 74 Best Practices.

«Die Hinzufügung einer quantifizierten Konformitätsschwelle und einer objektiven, eindeutigen Testregel macht dieses Dokument zum ersten und einzigen echten Green-IT- bzw. Responsible-Digital-Referenzmodell im strengen Sinne», erklärt Astrid Dhénain, Analystin bei Resilio, die zur Ergänzung der bestehenden Arbeit um diesen Konformitätsrahmen beigetragen hat.

Ziel dieser Ergänzungen ist es, allen Organisationen eine einheitliche Selbstbewertung zu ermöglichen und ihren gesetzlichen Verpflichtungen – insbesondere jenen aus Artikel 35 des REEN-Gesetzes, der Gemeinden mit mehr als 50’000 Einwohnenden betrifft – nachkommen zu können.

Regulatorische Anforderungen vorwegnehmen

«Mittelfristig werden vermutlich alle Organisationen – privat und öffentlich – denselben Verpflichtungen unterliegen wie Gemeinden mit mehr als 50’000 Einwohnenden. Die Übernahme dieses Referenzmodells ermöglicht es, künftige rechtliche Auflagen vorwegzunehmen», schliesst Frédéric Bordage, Gründer des Kollektivs GreenIT.fr, aus dem das Modell hervorgegangen ist.

Das Netzwerk – der jüngste Bereich mit grossen Auswirkungen

Der Benchmark Green IT 2021 hat die zunehmende Bedeutung des Netzwerks für die Umweltauswirkungen von Informationssystemen aufgezeigt. Auf dieser Grundlage haben die Teams von Resilio fünf zentrale Best Practices ergänzt, die zur Reduktion dieser Auswirkungen umgesetzt werden sollen.
Hier einige der neuen Empfehlungen:

  • «Die Dimensionierung des Netzwerks an die tatsächlichen Bedürfnisse und das richtige Mass anpassen»
  • «Netzwerkgeräte beschaffen, die die Anforderungen der ASHRAE-Klassen A3-A4 erfüllen»
  • «Die Energiesparfunktionen aktiver Netzwerkgeräte aktivieren»

«Die zunehmenden Datenmengen, der Übergang zu mobilen Geräteflotten und die Einführung des IoT haben eine Erweiterung der Netzwerkinfrastrukturen erzwungen. Die neuen Best Practices ermöglichen es, den ökologischen Fussabdruck eines bisher vernachlässigten Bereichs wirksam zu reduzieren.», erklärt Astrid Dhénain.

Laut dem sechsten Benchmark Green IT entfällt mehr als ein Viertel des ökologischen Fussabdrucks auf das Netzwerk:

  • 30% der Auswirkungen auf abiotische Ressourcen (Mineralien, Metalle, seltene Erden, …)
  • 25% des Süsswasserstresses
  • 20% der Treibhausgasemissionen

Bei dezentral organisierten Unternehmen (Filialketten, lokale Verwaltungen usw.) kann das Netzwerk sogar zum grössten Posten des ökologischen Fussabdrucks werden.

KPIs und Konformitätsschwellen ebnen den Weg zu einer systematischen Bewertung

«Wir haben die zweite Version des Referenzrahmens bei vielen Kunden eingesetzt. Mit der Zeit wurde der Bedarf immer offensichtlicher: Es war essenziell, eine Liste von KPIs, Testregeln und Konformitätsschwellen zu haben, um Fortschritte zu objektivieren und zu messen», erläutert Amaël Parreaux-Ey, Geschäftsführer von Resilio.
Jede Best Practice ist nun mit einem Schlüsselindikator, einer Testregel und einer Konformitätsschwelle versehen, was eine objektive Bewertung der Fortschritte ermöglicht. So entstehen ein Gesamtbild sowie praktische Werkzeuge für Beschaffende.
Erste Felddaten zu diesen KPIs werden im Rahmen des Benchmarks Green IT 2022 erhoben, dessen Ergebnisse im Herbst öffentlich gemacht werden.

Eine grundlegende Überarbeitung

Mehrere Best Practices entsprachen nicht mehr den sich rasch wandelnden aktuellen Praktiken. Nehmen wir das Beispiel der Best Practice «Geräte mieten statt kaufen». Das Mieten ist nicht zwangsläufig ein Vorteil: Entscheidend ist die gesamte Lebensdauer. Da Mieten dies nicht immer steuerbar macht, ist das Refurbishment am Ende der ersten Lebensphase eine alternative oder gar bevorzugte Variante.

Ähnlich war die Best Practice «Interne Prozesse umweltfreundlich gestalten» zu wenig präzise, was die Beurteilung ihrer Umsetzung komplex und unbeständig machte.

Neben den Kriterien rund um das Netzwerk fehlten weitere Aspekte – etwa das Wissen über die Methoden der Lebenszyklusanalyse. Diese ist die standardisierte Methode zum Verständnis von Umweltauswirkungen und unverzichtbar, um diese wirksamer zu reduzieren.