Erfahren Sie, wie die Lebenszyklusanalyse (LCA) und die Best Practices der nachhaltigen Digitalisierung Umweltauswirkungen in strategische Chancen verwandeln.
Bordeaux, Frankreich, 15. April 2026 – Die Digitalisierung wird oft als immateriell wahrgenommen, doch ihre Umweltauswirkungen sind sehr real! Im Podcast «NR dans l’air» von Pôle Enter teilen Vanessa Decostaire (Resilio) und Carole Bonnemains (MBC Solutions) ihre Expertise zur Bewertung und Reduktion des ökologischen Fussabdrucks der Digitalisierung.
Warum sind diese Ansätze für Entscheidungstragende essenziell? Wie lassen sich diese Herausforderungen in konkrete Chancen verwandeln? Dieser Artikel beleuchtet die zentralen Fragen, die Methodik sowie konkrete, sofort umsetzbare Handlungsfelder.

Warum die Umweltauswirkungen der Digitalisierung bewerten?
1. Was lässt sich in der Digitalisierung konkret bewerten?
Bewerten lassen sich die Umweltauswirkungen eines digitalen Dienstes (z. B. die Mitgliederplattform von Pôle Enter), aber auch einer Website oder der vollständigen IT-Infrastruktur eines Unternehmens, ebenso ein Gerät (Smartphone, Computer) oder eine Komponente (z. B. ein elektronischer Chip) – die Liste ist lang … In Wirklichkeit lässt sich jeder digitale Bereich bewerten!
2. Welche Methodik empfiehlt Resilio zur Bewertung der Umweltauswirkungen der Digitalisierung?
Vanessa Decostaire, Expertin für nachhaltige Digitalisierung bei Resilio, erläutert, dass die Lebenszyklusanalyse (LCA) es ermöglicht, die tatsächlichen Auswirkungen digitaler Dienste, Geräte und IT-Infrastrukturen dank ihrer mehrstufigen und multikriteriellen Betrachtung zu verstehen.
Die LCA ist eine standardisierte Methodik (basierend auf den Normen ISO 19040/44), die auf jedes Produkt, jede Dienstleistung oder jeden Prozess angewendet werden kann und eine multikriterielle und mehrstufige Umweltbilanz eines Systems über seinen gesamten Lebenszyklus ermöglicht.
Die Vorteile der LCA:
- Erlaubt es, die Umweltauswirkungen je Lebenszyklusphase zu erfassen: Herstellung (inklusive aller benötigten Rohstoffe), Distribution, Nutzung und Lebensende
- Erlaubt es, die Beiträge zu den Auswirkungen je Lebenszyklusphase, je Gerät oder je Gerätekategorie sowie selbstverständlich je Umweltindikator zu quantifizieren
- Auswirkungen vergleichen – zwischen Geräten, zwischen einem Informationssystem 2024 und 2025 oder zwischen verschiedenen Set-ups für ein neues digitales Dienstleistungsprojekt usw.
Die Grenzen der LCA:
Um eine gute LCA durchzuführen und verlässliche Ergebnisse zu erhalten, sind verlässliche Umweltdaten nötig – und diese sind nicht leicht zu finden.
Die Daten der Hersteller? Sie sind unvollständig, schwer vergleichbar und wenig transparent; sie nutzen unterschiedliche Bewertungsmethoden.
Aus diesem Grund hat Resilio die Resilio Database entwickelt, um diese Lücke zu schliessen!
3. Warum eine Lebenszyklusanalyse der Digitalisierung im Unternehmen durchführen?
Das Ziel ist nicht nur das Quantifizieren und das Erstellen eines schönen Berichts, der danach in Vergessenheit gerät!
Die Umweltbewertung ist das Werkzeug, das es ermöglicht, Massnahmen auf die wichtigsten Hebel auszurichten und sicherzustellen, dass Ressourcen (Zeit, Personen, Budget) auf die tatsächlichen Herausforderungen konzentriert werden.
Nehmen wir das Beispiel eines Unternehmens, das die LCA seines Verwaltungs-Informationssystems durchführt: Am Ende der Bewertung weiss es, ob die Geräte der «Anwendenden» – also die Smartphones, Computer, Tablets, Bildschirme und Docking-Stationen der Mitarbeitenden – die meisten Umweltauswirkungen verursachen, oder ob es vielmehr die Infrastrukturen sind. Die daraus abzuleitenden Massnahmen sind keineswegs identisch.
- Bei den Infrastrukturen wird man sich auf die Standortwahl der Rechenzentren, ihre Energieeffizienz (PUE – «Power Usage Effectiveness»), die Dimensionierung der Server usw. konzentrieren.
- Bei Anwendergeräten stellt man eher Fragen zur Lebensdauer, zur Vielzahl an Geräten (Doppel- oder Dreifachbildschirme), zur Überdimensionierung der Geräte, zum bestehenden Reparaturprozess oder dessen Fehlen, zum Lebensende usw.
Die im Vorfeld durchgeführte Umweltbewertung verhindert, dass Zeit und Energie für Massnahmen verschwendet werden, die keinen Einfluss auf die Umweltbilanz des Unternehmens haben. Sie ist ein echter Kompass, der hilft, Massnahmen zu priorisieren – zum Beispiel:
- Optimierung Ihrer Rechenzentren (Wahl verantwortungsvoller Hosting-Anbieter, Standortwahl, Wärmewiederverwendung).
- Verlängerung der Lebensdauer von Geräten (die Herstellung eines neuen Laptops kann bis zu 500 kg CO₂ verursachen).
- Wahl von Lieferanten, die sich für eine massvollere Digitalisierung engagieren.
Ein konkreter und nachhaltiger Return on Investment
Beide Expertinnen betonen die schnellen Erfolge (Kostensenkungen, höhere Effizienz) sowie die nachhaltigen Vorteile (Resilienz, Souveränität). Beispielsweise:
- Unnötige Daten löschen reduziert Speicher- und Energiekosten.
- Die Lebensdauer der Geräte verlängern verzögert die Ausgaben für die IT-Erneuerung.
Wie startet man einen Responsible-Digital-Ansatz?
1. Sich auf Best Practices stützen
Vanessa Decostaire empfiehlt, sich an den 74 Best Practices der nachhaltigen Digitalisierung (GreenIT.fr) zu orientieren, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren.
2. Unnötige Daten aufspüren
Carole Bonnemains rät:
- Die Datenbanken regelmässig zu bereinigen.
- Engagierte Hosting-Anbieter zu wählen, etwa solche, die die Wärme von Rechenzentren weiterverwenden.
3. Teams schulen und sensibilisieren
- Workshops zur digitalen Suffizienz und zum Eco-Design organisieren.
- An Initiativen wie La Fresque du Numérique oder La Bataille de l’IA teilnehmen.
- Je nach Reifegrad Ihrer Organisation und Ihrer Teams das geeignete Format wählen, um alle Mitarbeitenden in den Ansatz einzubinden. Mehr zu den verfügbaren Formaten finden Sie auf unseren Academy-Seiten.
4. Den digitalen Fussabdruck mit einer LCA bewerten
- Resilio hilft Ihnen, den Ansatz zu starten, stellt Ihnen Werkzeuge zur Verfügung und unterstützt Sie über das gesamte Projekt hinweg.
Die Kernbotschaft: mit Klarheit steuern
Verantwortungsvolle Digitalisierung bedeutet selbstverständlich nicht den Verzicht auf Innovation, sondern mit Klarheit zu steuern:
- Bewerten, um zu verstehen (die LCA nutzen).
- Handeln, um zu reduzieren (optimieren, verlängern, verantwortungsvolle Partner wählen).
Fazit
Dieser Podcast zeigt, dass die nachhaltige Digitalisierung eine strategische Chance für Unternehmen ist. Indem sie bewerten und handeln, können sie ihre Umweltauswirkungen reduzieren und gleichzeitig ihre Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit steigern.